Von Fahrstühlen
28. April 2009 at 21:25 1 Kommentar
Wir haben einen Aufzug in unserem Haus. Darüber freue ich mich, weil ich gerne Aufzug fahre. Manchmal fahre ich von der Tiefgarage ins Erdgeschoss, hole dort die Post aus dem Briefkasten und fahre dann weiter zu unserer Wohnung. Einfach so.
Obwohl ich zwei gesunde Beine habe.
Das ist nun ein gewagtes Outing. Bekennende Fahrstuhlbenutzer rangieren im allgemeinen öffentlichen Ansehen wohl irgendwo zwischen Leuten, die Grünflächen mit Coladosen verschmutzen und Autofahrern, die dreist auf Behindertenparkplätzen parken.
Aber warum kommt man als Aufzugfahrer so in Rechtfertigungszwänge? Der wohl meist gehörte Vorwurf ist, dass man doch jung und beweglich sei und Trepppensteigen gesund. Was zu beweisen wäre. Von Spätfolgen exzessigen Treppensteigens wie zum Beispiel Kniearthrose einmal abgesehen, ist Aufzugfahren offensichtlich die viel sicherere Art, große Höhenunterschiede zu überwinden.
Ungeachtet dieser schwerwiegenden Argumente entspannt sich nun, wenn uns Freunde besuchen, oft ein Dialog wie folgender:
„Und hier haben wir sogar einen Fahrstuhl!“
„Einen Fahrstuhl…?“
„Ja, das ist echt praktisch, zum Beispiel beim Umzug…“ (den Umzug hat eine Firma für uns erledigt) „… oder wenn wir schwere Einkäufe haben.“
„Okay, stimmt, Wasserkisten und so…“
(Wir kaufen kein Wasser in Kisten.)
„Genau, zum Beispiel.“
Meist ist das Gegenüber jedoch kaum überzeugt und erspart uns nur aus Höflichkeit weitere Kommentare, die solche Weicheier wie Aufzugfahrer mit Geringschätzung strafen. Einzig junge Eltern mit ihren Babykutschen freuen sich, dass ihnen die Schlepperei erspart bleibt. Vor allen anderen lässt man besser nicht durchblicken, dass man tatsächlich manchmal einfach so diesen Senioren-Paternoster benutzt.
Was jedoch viele gar nicht wissen: ein Aufzug ist ein teurer Spaß. Neben Strom- und Wartungskosten muss regelmäßig ein TÜV-Mensch das Gefährt in Augenschein nehmen, zudem möchte noch ein Mitarbeiter der Rund-um-die-Uhr-Notrufzentrale seine Brötchen verdienen. In Summe kostet uns das komfortable Transportmittel etwa so viel, dass wir davon schön ins Kino gehen könnten, Popcorn inklusive.
Zu zweit.
Jeden Monat.
Also nicht gerade ein Schnäppchen.
Da ist es doch mehr als verständlich, dass ich auch etwas SPASS haben möchte für mein Geld. Es ist sogar so: Wenn ich nur einmal in der Woche fahre, und dann ausrechne, dass mich diese Fahrt jetzt fünf Euro kostet, bekomme ich am Ende ein schlechtes Gewissen, dass ich so wenige Aufzug fahre. Deshalb nehme ich mir nun ein Buch und einen Klappstuhl und gehe eine halbe Stunde mit meinem Aufzug fahren. Das Wetter ist sowieso zu schlecht zum rausgehen.
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1.
mama seiler | 5. Mai 2009 um 20:31
kein wunder, dass du rückenschmerzen hast.
gruß mama