Voll automatisch
5. Mai 2009 at 16:09 1 Kommentar
Für „Geeks“ gibt es fast nichts schöneres als elektronische Geräte, die helfen, Dinge des alltäglichen Lebens schneller zu verrichten. Das sind im weiteren Sinne nicht nur Computer, Handys und Fernbedienungen, sondern auch Automatikschaltungen, Mikrowellen oder Fahrstühle (siehe unten). Ich selbst bin bekennender Automatenliebhaber. Wo etwas mithilfe von Technik getan werden kann, bin ich der letzte, der selbst Hand anlegt. Für leidenschaftliche Von-Hand-Gangschalter, Milch-Im-Topf-Erwärmer oder Lieber-Die-Treppen-Nehmer habe ich schlicht kein Verständnis, sorry. Schließlich helfen uns die dienstbaren Maschinen allerorten, Aufgaben effizienter und angenehmer zu erledigen. (Und, ja, sie zerstören Arbeitsplätze, werden irgendwann einmal die Weltherrschaft übernehmen und alle Menschen versklaven, aber darum soll es hier nicht gehen.)
So habe ich mir einen kleinen Sport daraus gemacht, Automaten so schnell wie möglich zu bedienen. Schon in jungen Jahren habe ich als häufiger Bahnfahrer meine Mitreisenden dadurch verblüfft, dass ich ein Ticket von Bottrop-Wanne-Eickel nach Hamburg-Altona (Nichtraucher mit Gangplatz im Großraumabteil) in weniger als 70 Sekunden lösen konnte. Da war schnell wertvolle Zeit gewonnen, früher, als die Bahn noch pünktlich fuhr. Beim Flaschenrückgabeautomaten im Handelshof konnte ich meinen Leergutdurchsatz drastisch erhöhen, in dem ich die optimale Position des Barcodes beim Flascheneinlegen ermittelte und zwei Automaten simultan bedienen lernte. Dank dieser und vieler weiterer Optimierungen bleibt mir somit viel mehr Zeit zu Leben!
Zugegeben, nicht alle meine Automatisierungs-Projekte sind so erfolgreich. Den meiner Meinung nach enorm zeitsparenden Bewegungssensor für das Licht in unserer Speisekammer habe ich auf Wunsch meiner Frau wieder gegen einen gewöhnlichen Schalter getauscht. Sie fand es nicht sonderlich praktisch, sich winkend vor den etwas trägen Melder stellen zu müssen. (Okay, manchmal ging das Licht erst an, wenn man wieder aus der Speisekammer herausging, aber das hätte ich sicherlich noch optimieren können…).
Nun gibt es aber tatsächlich Automaten, die selbst ich fragwürdig finde. Einen solchen habe ich letzte Woche zum ersten Mal benutzt: den neuen Paket-o-mat (oder wie das heißt) von DHL.
Zwar ist diese Abholstation, die ein bisschen wie eine Bushaltestelle aussieht, wirklich durchdacht und leicht zu bedienen – man hält einfach die Paket-Karte (die Postboten in deinen Briefkasten werfen, wenn du nicht innerhalb von 3,6 Sekunden nach dem Klingeln vor der Haustür stehst, um dir das Paket von einem mürrischen Austräger in die Hand drücken zu lassen) vor einen Scanner, unterschreibt dann mit dem Finger (!) auf einem Bildschirm (dass das dann auch nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit meiner Unterschrift hat, stört wohl nicht), und schon springt das Fach mit meinem Päckchen auf. Klingt spaßig, ist es aber nicht. Warum? Ganz einfach: Weil es mir keine Zeit spart. Der Rund-Um-Die-Uhr-Automat steht nämlich gefühlte 10 Kilometer von unserer Wohnung entfernt, wogegen der Laden mit der freundlichen Schalterbedienung direkt auf meinem Heimweg liegt. Und zum Briefmarkenkaufen muss ich dort eh vorbei. Das war also nix, liebe Post.
Offenbar inspirieren lassen von diesem Geniestreich der DHL hat sich nun ein Obstbauer bei uns im Ort und einen Apfel-o-mat aufgestellt.
Man wirft also Münzen in einen dafür vorgesehenen Schlitz und wählt ein Fach mit Äpfeln nach Wahl (etwa die 14 für Braeburn). Sofort springt eine Tür auf, und man kann das knackige Frischobst entnehmen. Toll. Aber, Hand aufs Herz, lieber Bauer: lohnt sich das? Alle anderen im Ort stellen ihre Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln doch auch in ein altes Holzregal an der Straße, das Geld kommt passend ins Kässle. Geht schnell, spart Zeit. Unser fortschrittlicher Landwirt hingegen muss wahrscheinlich noch vier Generationen lang Äpfel verkaufen, bis sich das Gerät amortisiert hat. Und das – bei aller Liebe zur Technik – ist wirklich nicht effizient.
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1.
mama seiler | 5. Mai 2009 um 20:32
typische papas sohn. der apfel fällt nicht weit vom stamm
ich kann die katrin verstehen. ich mag den bewegungsmelder in der waschküche auch nicht.